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Gedichte
von

Aminur Rahman


Übersetzung ins Deutsche aus der englischen Fassung von

Manfred Chobot (Austria)


MANFRED CHOBOT was Born in 1947 in Vienna, lives as a writer; member of the Austrian authors association Grazer Autorenversammlung (member of the board), member of Podium (chairman), member of the Austrian writers union IG AutorInnen (member of the board), member of the international authors association Kogge; co-founder of the 1. Wiener Lesetheater und 2. Wiener Stegreiftheater (First Vienna Theatre of reading performances). Studies of cultural engineering. Various awards and scholarships for literature (e.g. scholarship of the Ministry of Cultural Affairs; scholarship of the Community of Vienna; Theodor Körner-Preis; Preis der Arbeiterkammer Oberösterreich; scholarship for theatre plays of the Community of Vienna; Award of the County of Lower Austria). Editor of the series of books Lyrik aus Österreich (Poetry from Austria) published by Verlag Grasl. Member of the editorial staff of the literature journal Podium. Approximately 50 radio plays for various stations. Books: Der Gruftspion, prose, 1978: Wr. Neustadt; Waunst in Wean, poetry, 1978: Munich; reform-projekte, satiric stories, 1980: Vienna; i wüü net alaane sei, cassette with songs and a poetry booklet, 1983: Vienna; Krokodile haben keine Tränen, poems, 1985: Baden bei Wien; Lesebuch, a reader 1987: Vienna; Spreng-Sätze.
Satiren und Gegen-Sätze, satiric stories, 1987: Wiener Neustadt; Sportgedichte, poems, 1989: Vienna; Ich dich – und du mich auch, poems, 1990: Baden bei Wien; Atlantis – Staat der Kinder, book for children, 1992: Wien; Die Enge der Nähe, stories, Wiener Neustadt; Dorfgeschichten, stories, 1992: Weitra, Bibliothek der Provinz; Ziegelschupfen oder Die genüßliche Mühe der Bewegung, novel, 1994: Weitra, Bibliothek der Provinz; Der Hof, photo and text (with Jindrich Streit), 1995: Weitra, Bibliothek der Provinz; Der ertrunkene Fisch, stories, 1996: Weitra, Bibliothek der Provinz; ansichtskarten. statt/stadt-bilder, poems, 1997: St. Pölten, Literaturedition Niederösterreich; Stadtgeschichten, stories, 1998: Weitra, Bibliothek der Provinz; römische elegien (= roman elegies) – 69 & 6 einstellungen zur liebe, poems, 2000: Vienna, Deuticke; Maui catches the Sun – Myths of Hawaii, 2001: Vienna, Deuticke; Der Wiener Brunnenmarkt, photo and text (with Petra Rainer), 2003: Vienna, Holzhausen; Reisegeschichten (= stories of travelling), 2003: Weitra, Bibliothek der Provinz.
 

  LIEBE: 1  

LIEBE: 2

 

LIEBE: 3

 
 

Jede Menge Schwierigkeiten
alles scheint aussichtslos
Nichts als
Zeitverschwendung.

Ohne Verständnis
ohne Einsicht
ist mein Herz hart
obwohl alles eindeutig ist.
 

 

Mit geschlossenen Augen
wähle ich einen Diamanten
Voll Wonne mein Herz
Obwohl alles verloren ist.
 

 

Du liebst mich sanft,
warum dann die Heftigkeit
                in dir?

Ich bin ein leiser Dichter,
ein Bild ohne Farbe
                leblos.

 

 
 

LIEBE: 4

  LIEBE: 5  

LIEBE: 6

 
 

Mit
Alpträumen           gehen
kann                        vorbei
man                        Tage
leben                       Erinnerungen
leidlich                    Versagen anzu
dauern.
 

 

Du im Himmel meines Herzens, Nilima
Ein Stern jenseits des Universums
Ein Lotus im Fluss
Wächst eine neue Frau empor.
 

 

Davon fliegt die Liebe
fliegt, fliegt um dich zu berühren
Hat dich gerührt und kehrt zurück
                zu meinen Lippen.

Noch immer scheint
ein wenig davon vorhanden, manches nicht
Liebe verharrt nach wie vor
in deinem Herzen.
 

 
  LIEBE: 7  

LEBEN: 1

 
 

Lange schon habe ich nach dir gesucht
in mancher Gasse und jener Straße
                Ohne Ergebnis, stets erfolglos.

Suchte im Gedränge Schutz vor Regengüssen
In einem Nest wärmte ein Vogel seine Brut
Wenn ich dich finde, mein Diamantensplitter
Werde ich in mein Dorf zurückkehren
mich heimisch machen bei meinen Nächsten.
Ich werde meine Gedanken abrechnen und
keine Falte wird in meinem Leben bleiben.
Allein du meine Geliebte wirst verharren.
 

 

Unendlich                               endlos
ohne Strukturen    blauer Himmel.
Das Leben der Gebärmutter
ein alles besiegender Fluss.
Unerwünschte Gerüchte
Schmelzen Haschisch flüssig
Menschen sind Tötungsmaschinen
was zu einer Epidemie führt, dem Ende.
 

 
 

LEBEN: 2

 

DER BILDHAUER

 
 

Etliche Zeit früher war ich
weit entfernt von meinen Sinnen –
wo ich genau war
kann ich mich nicht entsinnen.
Einige Momente meines Lebens
mischten sich mit dem Wind
bloß ein Blasen meines Mundes.
Habe ich gegessen, bin ich gegangen oder
habe ich Liebe gemacht mit einer Frau?

Nein, nein, ich erinnere mich an nichts
kann mich nicht entsinnen an etwas
nicht einmal
an meine eigene verlorene Zeit.
 

 

Aus einem dichten Nebelumhang
forme ich die Konturen deines Körpers –
jeden Morgen aufs neue die Umrisse.

Mit geschlossenen Augen sitze ich
zwischen Dunstwolken,
als sich Reif niederlässt
auf meine Wange, das Ohr und die Nase.
Die selben Hände,
die selben Lippen, die selben Augen –
Ich finde sie mit solcher Leichtigkeit –
Dein Torso treibt auf dem Fluss,
ich werde seinen Lauf erobern.
Deine Gestalt erblüht, befreit sich,
lässt das Licht der Sonne hinter sich
und den vergänglichen Körper des Nebels.
Du bist verflochten meiner Seele –
ihrer Wurzel, ihrem Fundament und ihrer Tiefe.
 

 
  TÖTE MICH   UFER DES HERZENS  
 

Töte mich mit deinen mir gewidmeten Sinnen.
Reduziere mich auf Fetzen durch deinen Sex.
Ermorde mich durch verrückte Verrücktheit.
Verbrenne mich mit deinem Herzen.
Töte mich durch deine Kreativität.
Vernichte mich durch den feuchten Schaum der Lust.
Zerstöre mich mit deinen erogenen Zonen.
Reiße mich in Stücke mit deiner Liebe.
Beiße mich beiße meine Leisten.
Umarme mich in der Ekstase meines Todes.
 

 

Du bist nicht hier,
was soll ich machen?
Liebe ist ein
Kreidezeichen.

Zu sterben
zu leben
das ist alles
einerlei.

Wann werde ich
und wann wirst du
zum Ufer
des Herzens dringen?

Drifte ich davon
Tag und Nacht –
mit dir.

Blätter fallen ab
Blumen blühen –
am Ufer des Herzens.
 

 
 

FÜR DICH

     
 

Wenn du wirklich willst,
gibt es nichts,
was ich nicht für dich machen würde?

Ich könnte sterben,
ich könnte töten
oder ich
könnte traurig
und für immer
den endlosen Weg gehen.

Wenn du wirklich willst
gibt es nichts
was ich nicht für dich machen würde?
Ich könnte meinen Bart abrasieren
oder meinen Schnauzer
und sogar
aufhören
Haschisch
zu rauchen

Wenn du wirklich willst
gibt es nichts
was ich nicht für dich machen würde?

Aufstehen
und mich niedersetzen
oder dir
in der Mittagssonne
nachjagen.

Wenn du wirklich willst
gibt es nichts
was ich nicht für dich machen würde?
 

     
 

HAI HAI

 
 

Schuhe
Kopf                       Asche
Buch                       nein                         wo                          

kantha                    
Schüssel  bin ich?   hai hai
rui
-Fisch  Lied                         Du?                         hai hai
du                          
Kleid                       du                           hai hai
Bett                         du                           iss,                          
hai hai
Recht                       beobachtest            iss                            hai hai
Graben   hältst                       des Herzens           hai hai
Wasser                    Mörserstößel          Fülle,                       hai hai
Alles                        wie ein Buch           tage-                        hai hai
stimmt zu             
gewendeten            lang,                        hai hai
Regenschirm Stärke                      hai hai
Mond                  
hai hai    
hai hai
 

 
 

EINSAME ABHÄNGIGKEIT

  VERWIRRUNG  
 

Wenig kann mich in diesen Tagen verletzen
die Botschaft meiner Trauer lebt weiter.

Meine einsame Abhängigkeit erwacht um Mitternacht,
ich fühle die Kälte unter meinen Füßen;
meine Augen weit offen, sehen die endlose Ausdehnung
von einem Gerichtsplatz der Existenz umgeben,
nichts als dein Schatten.

Wer bist du? Wer bist du?

Manches Mal fühlst du dich vertraut
andere Male wiederum unbehaglich.
Manches Mal lebt das Spiel des Lichts in dir,
andere Male bloß die Dunkelheit der Dämmerung.
Manches Mal erscheinst du so einfach,
andere Male voll der Zweifel.
Manches Mal scheinst du von dieser Welt zu sein,
andere Male von einer ganz anderen.
Manches Mal bist du kindisch,
andere Male völlig schweigsam.

Wer bist du? Wer bist du?

Die Nacht zittert, das Herz flattert
wie Blätter im Wind flüstern.

Die Wellen auf dem stillen Fluss schlagen
unbeweglich die Fische
und die Sterne winken Träume.

Wer bist du? Wer bist du?

Verschlungen von einer tonlosen Welt
sitze ich alleine
als die rote Nacht vor sich hin blutet.

Eine weitere Nacht macht sich bereit,
breitet sich aus, bewegt sich weiter, dreht sich um
und flüstert ihr selbstmörderisches Drängen.

Wer bist du? Wer bist du?

Sehr wenig kann mich verletzen an diesen Tagen,
für immer lebt mein Schmerz weiter.
 

 

Nach und nach zerbröckelt alles –
Ziegel, Steine, auch mein Herz zerbröselt.

Obwohl alles schlaff war,
um den Mörtel zu schaffen – rot, blau, grün,
gelb – welche Farbe auch immer, mischten wir.
Sie mischen nicht immer, jedenfalls versuchen wir es.

Ich möchte weiter atmen und auf der Brust des Flusses liegen
und leben, um den blauen Himmel zu sehen,
lebendig bleiben, um eine Blume zu riechen.
Dennoch geht die Verwirrung weiter.
Der Mörtel bröckelt ab –
Ziegel, Steine und mein Herz.

Diesen Weg gehe ich, rede dabei,
lebe und gar manches Mal sterbe ich.
Niemand weiß das, niemand versteht es.

Versteht es der Fluss oder der Himmel?
Versteht es der Himmel?
Versteht es die Blume?

Verstehen sie wirklich alles?
Oder trösten sie sich nur in ihrer Verwirrung?

Leben und die Realisation des Lebens – was ist die Relation?
Leben und Stagnation – was ist die Relation?
Menschen und Affen – was ist die Relation?
Mögen und Lieben – was ist die Relation?

Nach und nach bröckelt alles –
Ziegel, Steine, auch mein Herz zerbröckelt.
 

 
         
         
         
         
             
             
             
             
       
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